Fünf neue Dachdecker freigesprochen

Der Berufsweg im Dachdecker-Handwerk führt zwangsläufig nach oben. Doch dies gilt nicht nur für die Baustelle, sondern für die gesamte berufliche Entwicklung. Denn Dachdeckerinnen und Dachdecker sind bereits seit vielen Jahren gesuchte Fachkräfte. Zu diesen gehören nunmehr auch die fünf jungen Dachdecker, die in einer Feierstunde in Lübbecke von der Dachdecker-Innung Herford freigesprochen worden sind. Vier von ihnen nutzten die Gelegenheit, in diesem Rahmen ihre Gesellenbriefe entgegenzunehmen.

Dabei war es für Innungs-Obermeister Stefan Lewe eine Freude, dass sich unter den fünf neuen Fachkräften auch einer mit hervorragenden Prüfungsleistungen befand: Finn Gartemann (B+K Mader GmbH, Herford). Er erhielt die Prämie der Handwerkskammer OWL persönlich von deren Präsidenten Peter Eul überreicht. Die anderen jungen Dachdecker sind Fabian Koke (Reddehase Bedachungen GmbH, Stemwede), Lukas Kraus (Rullkötter Bedachungs-GmbH & Co. KG, Kirchlengern), Alban Sadiki (Trampe Bedachungen GmbH & Co. KG, Löhne) und Leon Blome (F. Sandmann GmbH, Herford).

Wie Handwerkskammerpräsident Peter Eul in seinen Grußworten betonte, haben die neuen Fachkräfte den Abschluss ihrer Handwerksausbildung nicht geschenkt bekommen, sondern sich durch Leistungs- und Lernbereitschaft erarbeitet. „Als Gesellen sind sie auch Botschafter ihres eigenen Handwerks“, appellierte er an den Nachwuchs, nunmehr auch selbst junge Menschen fürs Handwerk zu begeistern. Auch wenn fürs Dachdecker-Handwerk „stürmische Zeiten nicht prinzipiell schlecht“ sind, gilt laut Peter Eul aber auch für dieses Gewerk, dass es für den Klimaschutz und die Klimawende von seiner Bedeutung her „ganz oben mit dabei“ ist – und die Berufsaussichten daher auf lange Sicht gut sind.

Kreishandwerksmeister Ulrich Birkemeyer ergänzte, dass die guten Aussichten für alle Gewerke gelten. Auch die Politik hat seinen Worten zufolge inzwischen bemerkt, dass das Handwerk in seiner gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung verdient. Ihn freut, dass die freien Ausbildungsplätze in den Herforder und Lübbecker Dachdecker-Betrieben wieder zahlreiche Interessenten gefunden haben – zum regulären Ausbildungsstart Anfang August konnte die für den Kreis Herford und den Altkreis Lübbecke zuständige Innung mehr als 30 neue Azubis begrüßen.

Freisprechung neuer Gesellen am 13. August


Fachkräfte werden auch im Dachdeckerhandwerk dringend gesucht. Daher freut es nicht zuletzt Obermeister Stefan Lewe, dass kürzlich wieder mehrere Azubis ihre Gesellenprüfungen bestanden haben. In Kürze sollen sie auch ihre Gesellenbriefe erhalten. Dafür veranstaltet die Dachdecker-Innung Herford am Samstag, 13. August 2022, in Barres Brauwelt in Lübbecke eine Freisprechungsfeier. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr. Gegen 16 Uhr ist die Übergabe der Gesellenbriefe geplant. Dazu hat bereits Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer OWL, seine Teilnahme zugesagt.

Doch es werden nicht nur den vormaligen Azubis die Gesellenbriefe überreicht. Wie bereits in den Vorjahren wird die Feier dazu genutzt, um die neuen Auszubildenden vorzustellen, die am 1. August in den Dachdeckereien des Kreises Herford und des Altkreises Lübbecke ihren Berufsweg im Handwerk begonnen haben.

Herzen aus Schiefer und viele Infos

Die erste Ausbildungsplatzbörse im Alten Güterbahnhof in Herford nach den Corona-
Lockdowns konnte vielleicht noch nicht wieder die Besucherzahlen wie früher erreichen – doch für die Dachdecker-Innung Herford war sie eine gern genutzte Möglichkeit, auf die Berufschancen ihres Handwerks hinzuweisen. Natürlich konnten künftige Schulabgängerinnen und -abgänger auch mit ihren Händen aktiv werden und die beliebten Schieferherzen selbst schlagen. Und wem dies nicht auf Anhieb gelang, dem halfen geübte Innungsmitglieder. Für Fragen zur Ausbildung und ihren Inhalten standen vom Vorstand der stv. Obermeister Frank-Jörg Warnke und der stv. Lehrlingswart Sören Hellweg zur Verfügung.

Hamstern sprengt Lieferketten

"Bei der jüngsten Innungsversammlung in Herford erhielten die Dachziegel-Hersteller die Gelegenheit, Hintergründe für Lieferausfälle und Preissprünge zu erläutern."

Die kontinuierliche Versorgung mit Baumaterialien ist ins Stocken gekommen. Die Gründe dafür sind in den meisten Fällen aber keine Rohstoffprobleme oder zurückgefahrene Produktionskapazitäten, sondern eine rasant gestiegene Nachfrage. Dies wurde auf der jüngsten Versammlung der Dachdecker-Innung Herford deutlich.

Zu der Innungsversammlung hatte Obermeister Stefan Lewe nicht nur die Mitglieder eingeladen, sondern auch Vertreter der Unternehmen, die Dachziegel, -steine und andere für dichte Dächer erforderliche Materialien herstellen. Denn für die heimischen Handwerksbetriebe bringen vage Liefertermine und kurzfristige Änderungen bei den Einkaufspreisen zunehmend Probleme mit sich: Kein Dachdecker kann gegenüber seinen Kundinnen und Kunden vertreten, für eine Dachsanierung oder -reparatur eine Gebäudehülle zu öffnen, ohne dass das neue Material für einen sofortigen Einbau parat liegt. Und wie soll er heute Angebote kalkulieren, wenn er selbst freitags noch nicht weiß, welche höheren Einkaufspreise er bereits in der nächsten Woche zu zahlen hat.

Das Problem mit den Einkaufspreisen haben auch die Hersteller von Dachziegeln, wie deren Vertreter unisono anführten. Sie benötigen Gas, mit dem sich Brenntemperaturen feinjustieren lassen, um die gewohnten und geforderten Qualitäten in Größe, Form und Farbe herstellen zu können. Und der Preis für den flüchtigen Brennstoff ist seit Beginn des Ukraine-Konflikts nur noch in eine Richtung flexibel – nach oben. Dies ist den Ausführungen zufolge eine der Hauptursachen für die bisher nie dagewesene Auftragszunahme bei allen Herstellern.

Viele Händler und Handwerker bestellen weit im Voraus, um durch frühzeitigere Käufe einerseits niedrigere Preise zu zahlen und andererseits das Material parat liegen zu haben, wenn die Bauarbeiten beginnen sollen. Laut den Industrievertretern werden heute schon Dachziegel oder -steine geordert und gekauft für Gebäude, deren Fundamente erst in einem halben Jahr gegossen werden sollen.

Gegen diese Art des „Hamsterns“ kommen ihre Werke trotz voll ausgelasteter Produktionskapazitäten nicht mehr an. Daher schauen ihre Vertriebsmitarbeiter vor Auftrags- und Lieferbestätigungen vermehrt darauf, für welche Art von Baumaßnahmen geliefert werden soll. So soll beispielsweise sichergestellt werden, dass für wetterbedingte Dachschäden die Handwerksbetriebe wie gewohnt eine schnelle Lieferung erhalten. Damit dies funktioniert, sind allerdings engere Absprachen zwischen Handwerkern, Handel und Herstellern notwendig. Auch dies ist eine ungewohnte Veränderung in den Geschäftsbeziehungen. Doch nicht lösen lässt sich damit das Problem der unkalkulierbaren Preise für die Häuslebauer…

Neuer Termin für Erstschulung „Asbest-Sachkundenachweis“

Da die Erstschulung im Februar leider abgesagt werden musste, bieten die Dachdecker-Innung Herford sowie die Fachinnung für Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik Minden die Erstschulung für den Asbest-Sachkundenachweis nach TRGS 519 erneut an.

Die Schulung findet statt von Montag, 27. Juni 2022 (8 bis ca. 15.30 Uhr) bis Dienstag, 28. Juni 2022 (8 bis ca. 14 Uhr) im HBZ Minden, Goethestraße 31, 32427 Minden, in der Ausbildungswerkstatt der Anlagenmechaniker SHK in der 1. Etage. Anmeldungen für die kostenpflichtige Schulung sind bis zum 13. Juni 2022 erforderlich per Anmeldeformular (Download).

Erörtert werden in der Erstschulung unter anderem die Themenbereiche Gesundheitsgefahren und Berufskrankheiten durch Asbest sowie Vorschriften und Regelungen für Tätigkeiten mit Asbest und Asbestzement, das Asbestverbot nach der REACH-Verordnung, Bundes-Immissionsschutzgesetz, Landes-Bauordnung, Wasserhaushaltsgesetz, Abfallgesetz, Gefahrgutrecht.